Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
wir haben uns die Diskussion über
den Jugoslawien-Krieg in der Friedensinitiative Nottuln nicht leicht gemacht.
Und diese Diskussion hat vor dem Hintergrund der Erfahrungen während des
Bosnienkrieges stattgefunden. Wir haben nicht vergessen, dass drei Jahre
Sarajewo eingeschlossen und feige von den Bergen herab beschossen wurde, die
Menschen dort wir Wild abgeknallt wurden, werden konnten. Und niemand hat dies
verhindert. Europa schaute lange zu. Wir haben nicht Srebrenica vergessen.
Dies hat in der FI Nottuln
dazugeführt, dass wir intensiv und schmerzlich über unsere pazifistische
Grundhaltung nachzudenken begannen. Und schließlich hat sie dazu geführt,
dass wir zu einer Aufweichung eines absolut. Pazifismus kamen
In einer Veranstaltung zusammen mit HE Richter, haben wir dies mal
als Pazifismus light bezeichnet. Klar, alles muss getan werden, um Gewalt und
Krieg auszuschließen, aber es kann Situationen geben, in denen Gewaltanwendung
notwendig ist. Z.B. Schutzzonen UN.. Forderung: Diese zu schützen – auch mit
Gewalt.
Vor diesem Hintergrund haben
wir die Schreckensbilder aus dem Kosovo erlebt besser gesagt von den Grenzen
nach Albanien hin. Brennende Dörfer, fliehende verzweifelte Menschen, Berichte
– ohne Bilder – von Massakern., von dem, was man einen Völkermord nennt.
Vor diesem Hintergrund haben wir uns auch darauf eingelassen, was Fischer –
z.B. in Bielefeld vehement, fast flehend forderte: „Nicht nur NIE WIEDER KRIEG
– sondern auch NIE WIEDER AUSCHWITZ“, Ja, für einen Moment haben Fischer
und Scharping es geschafft, uns damit in ihren Bann zu ziehen.
Dies änderte sich schnell, als der Kriegsverlauf schon nach Tagen
– ich glaube nach Stunden, klarmachte, dass das Ziel – Verhinderung einer
„humanitären Katastrophe“ nicht erreichbar sein wird, als zunehmend
deutlich wurde, wie unfähig militärische Lösungen sind, immer waren und auch
hier wieder kläglich versagen. Auf Einzelheiten will ich hier nicht eingehen.
Die sind noch zu deutlich vor Augen.
Um
so hellhöriger wurden wir, als wir etwa vor einem Jahr von verschiedenen neuen
Erkenntnissen hörten, neue Erkenntnisse, die
ein neues Licht auf den Weg der Nato und damit auch der Bundesrepublik in
den Krieg gegen Jugoslawien warfen (Stichworte: Massaker von Racak, Rogovo,
Rambouillet, Hufeisen-Plan, Holbrooke-Milosevic-Abkommen, Rolle der UCK.) Auf
Einzelheiten können wir hier nicht eingehen. Dabei stammen diese Erkenntnisse
aus seriösen und unverdächtigen Quellen (OSZE, Nato, Bundeswehroffiziere,
Berichte westlicher Botschafter, Auswärtiges Amt usw.).
Diese Erkenntnisse geben Anlass zu erheblichen Zweifeln an
der Richtigkeit der Informationspolitik der Bundesregierung vor Beginn des
Jugoslawienkrieges. Die Fragen, die sich stellen, sind: War der Weg in den Krieg
wirklich unvermeidbar? Waren die zivilen Mittel ausgeschöpft?
Wurde die Bevölkerung von der Nato-Spitze und auch von der
Bundesregierung bewusst und gezielt falsch informiert über die Lage im Kosovo?
Wurde so gezielt eine Kriegsbereitschaft vorbereitet?
Es gibt nun zwei Möglichkeiten, mit den schweren Vorwürfen
an die Adresse der Bundesregierung umzugehen: 1. Sie werden glaubwürdig
dementiert. Oder sie müssen 2. untersucht werden
- in einem geordneten Verfahren. Und das heißt in einem
parlamentarischen Untersuchungsausschuss.
Die Initiative, die wir aus dem Münsterland heraus
starteten, fand in der ganzen Bundesrepublik eine große Resonanz. Im Prinzip
haben sich alle großen Friedensorganisationen dem Begehren angeschlossen.
Prominente wie der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter oder Inge und Walter
Jens fordern mit uns gemeinsam, den Krieg intensiv aufzuarbeiten.
Wir bitte Sie, Herr
Bundestagspräsident, diese Forderung der vielen Menschen in den Bundestag
einzubringen und dort dafür tatkräftig zu werben.
Herzlichen Dank Robert
Hülsbusch